Kleinkind vor dem Fernseher

Medienkonsum bei Kindern

Inklusive Geschenke, die nicht in der Schublade landen!

von | Sep. 18, 2024 | 0 Kommentare

In der heutigen Zeit sind Bildschirme allgegenwärtig – Fernseher, Tablets und Smartphones gehören längst zum Alltag, auch bei unseren Kleinsten. Während Medien einen gewissen Bildungswert haben können, stellt sich die Frage: Wie wirkt sich der Medienkonsum auf die Sprachentwicklung von Kindern aus? In diesem Blogbeitrag gehen wir der Sache auf den Grund und geben Tipps, wie Eltern eine gesunde Balance zwischen Medien und echten Gesprächen finden können.

Blogbeitrag N°2

Medienkonsum bei Kindern

Wie wirkt er sich auf die Sprachentwicklung aus?

1. Die Sprachentwicklung von Kindern – ein natürlicher Prozess

Kinder lernen Sprache von Anfang an durch Nachahmung und Austausch. Schon als Babys nehmen sie Geräusche und Töne auf und beginnen, diese nachzuahmen. Im Laufe der Zeit entwickeln sie durch Gespräche mit Eltern, Geschwistern und Freunden ihre sprachlichen Fähigkeiten. Besonders im Vorschulalter ist es entscheidend, dass Kinder im direkten Austausch stehen, um Satzstrukturen und Aussprache zu üben. So können sie spielerisch ihre sprachlichen Fähigkeiten weiterentwickeln.

Im Internet gibt es unzählige ausführliche Beiträge zur kindlichen Sprachentwicklung, beispielsweise hier.

2. Warum verbringen Kinder viel Zeit vor dem Fernseher?

Viele Eltern nutzen Fernseher, Tablets oder Smartphones, um ihre Kinder zu beschäftigen. Diese Medien sind nicht nur leicht verfügbar, sondern auch spannend für Kinder. Bunte Farben, schnelle Bewegungen und interessante Geschichten ziehen sie in ihren Bann. Für Eltern ist es oft eine praktische Möglichkeit, Ruhepausen im hektischen Alltag zu schaffen. Doch dabei bleibt eines auf der Strecke: der direkte Austausch mit anderen Menschen – und genau dieser Austausch ist entscheidend für die Sprachentwicklung.

3. Der Einfluss von Medienkonsum auf die Sprachentwicklung

Kinder, die viel Zeit vor dem Fernseher oder mit digitalen Medien verbringen, lernen zwar neue Wörter, üben jedoch nicht, diese aktiv zu verwenden. Sie konsumieren passiv, statt sich aktiv an Gesprächen zu beteiligen. Dies kann zu Sprachentwicklungsverzögerungen führen: Kinder tun sich schwer, Sätze zu bilden, Wörter richtig auszusprechen oder eine flüssige Konversation zu führen. Je weniger sie sprechen, desto weniger üben sie – und genau das verlangsamt den natürlichen Sprachlernprozess.
kind vor dem laptop

4. Schnelle Bilder und das kindliche Gehirn

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Geschwindigkeit der Bewegtbilder, die Kinder in vielen Medien zu sehen bekommen. Schnelle Schnitte und rasante Abläufe können das kindliche Gehirn überfordern. Während das Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist, versucht es, die Vielzahl an Reizen zu verarbeiten. Das kann nicht nur die Konzentration, sondern auch die Sprachentwicklung beeinträchtigen. Kinder verarbeiten reale Gespräche langsamer und natürlicher – genau das fehlt jedoch bei den schnellen Bildabfolgen auf dem Bildschirm.

5. Was ist eine gute Balance?

Medien per se sind nicht schlecht, aber die Menge und Art der Nutzung machen den Unterschied. Eine gute Balance bedeutet, dass Kinder sowohl Zeit vor dem Bildschirm als auch Zeit in echten Gesprächen verbringen. Hier sind einige Richtlinien für einen ausgewogenen Medienkonsum:

  • Bildschirmzeiten begrenzen: Besonders im Vorschulalter sollten Kinder maximal eine Stunde pro Tag vor dem Bildschirm verbringen.
  • Echte Gespräche fördern: Gemeinsames Lesen, Singen und Spielen sind großartige Alternativen, um das Sprachverständnis und die Kommunikation aktiv zu fördern.
  • Mit den Kindern gemeinsam Medien nutzen: Begleitet eure Kinder beim Fernsehen oder Spielen und sprecht über das Gesehene – das regt die Sprachentwicklung an.

6. Wie kann Logopädie bei übermäßigem Fernsehkonsum helfen?

Eltern wissen oft nicht Bescheid darüber, dass übermäßiger Medienkonsum die Sprachentwicklung ihres Kindes negativ beeinflussen kann. Wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind Schwierigkeiten mit der Sprache hat – sei es beim Satzbau, der Aussprache oder dem Verstehen von Zusammenhängen – kann eine logopädische Therapie helfen. Logopäd*innen arbeiten gezielt an den sprachlichen Fähigkeiten der Kinder und helfen ihnen, durch spielerische Übungen und gezielte Förderung Defizite auszugleichen. Besonders nach einer Phase mit übermäßigem Medienkonsum kann dies wichtig sein, um die natürlichen sprachlichen Fähigkeiten wieder in den Fokus zu rücken. Das ist selbstverständlich kein Ausgleich zu einem gesunden verbalen Verhältnis innerhalb der Familie. In der Logopädie ist auch das Gespräch mit den Eltern bezüglich des Medienkonsums des Kindes ein wichtiges Tool. 

7. Tipps für Eltern und Erziehungsberechtigte

  • Seid Vorbilder: Kinder lernen am meisten durch Nachahmung. Sprecht viel mit euren Kindern, erzählt Geschichten und fragt sie nach ihren Erlebnissen.
  • Setzt klare Regeln: Legt fest, wie viel und wann Medien konsumiert werden dürfen. Besonders vor dem Schlafengehen sollten Bildschirme tabu sein.
  • Fördert den Austausch: Nutzt jede Gelegenheit für Gespräche. Beim Essen, Spielen oder Spazierengehen gibt es immer etwas zu besprechen!
  • Setzt auf Vielfalt: Bietet euren Kindern verschiedene Möglichkeiten zur Beschäftigung – Bücher, Puzzles, draußen spielen – das alles fördert ihre sprachliche und geistige Entwicklung.

8. Fazit

Ein ausgewogener Umgang mit Medien ist entscheidend für die Sprachentwicklung von Kindern. Zu viel Bildschirmzeit kann den natürlichen Austausch und das aktive Sprechen behindern. Indem Eltern bewusst Medienzeiten begrenzen und echte Gespräche fördern, schaffen sie die perfekte Balance zwischen Unterhaltung und Bildung. Logopädie kann dabei unterstützen, eventuelle Verzögerungen aufzufangen und Kinder auf ihrem Weg zu einer gesunden Sprachentwicklung zu begleiten.
Quellen
1. Schmidt, A., & Zimmermann, K. (2020). Medienkonsum und Sprachentwicklung im Kleinkindalter. Sprachheilarbeit Journal.
2. Diehl, J., & Krüger, S. (2021). Auswirkungen von Bildschirmzeit auf die kindliche Sprachentwicklung. Zeitschrift für Pädiatrie.
3. Koch, M., & Wiegand, R. (2022). Medien und Sprache: Wie Medienkonsum das Sprechenlernen beeinflusst. Fachblatt Logopädie.
4. Neumann, T. (2023). Digitale Medien und ihre Effekte auf Sprach- und Sprechfähigkeiten. Logopädische Praxis.
5. Weitz, B. (2023). Frühkindliche Sprachentwicklung und der Einfluss von Medien. Pädagogik und Sprache

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